Great Man-Made River Projekt
![]() Einbau der Steigrohre vor Ort |
Transport von Wasser aus der Sahara in die Küstenregionen von Bernd Petzsche Ausreichend Wasser - ein Begriff, der in ariden Zonen undenkbar erscheint. Mit dem Great Man-Made River Project (GMMR) nimmt der Staat Libyen Vorhaben der Wasserversorgung in Angriff, die ähnliche Objekte klein erscheinen lassen. Das Projekt umfaßt insgesamt vier Phasen: Phase I begann im Januar 1984 und endete im Dezember 1992; Phase II begann im Juni 1990 und soll Mitte 2000 abgeschlossen sein. Die Phasen III und IV sind in Planung. In dem nachfolgenden Beitrag wird versucht, anhand einer Bauphase die Komplexität darzustellen, beginnend bei den Tiefbrunnen bis zur Abgabe des Wassers an den Endstellen. |
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![]() Detailansicht zum Einbau der |
1. Einleitung In den sechziger Jahren wurde in Libyen Erdöl gefunden, die Ausbeutung der Vorkommen begann. Damit verbunden war die intensive Suche neuer Lagerstätten. Die Erkundung wurde bis tief in die Sahara ausgedehnt. Sozusagen als Nebenresultat dieser Explorationstätigkeit stießen die Bohrtrupps damals auf reiche Süßwasservorkommen, deren Umfang für aride Zonen, wie sie der größte Teil Libyens darstellt, die Ausbeutung geradezu unabdingbar erscheinen lassen.
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Phase I (östlicher Teil Libyens):
Phase II (westlicher Teil Libyens):
Für die Phase II erhielt die pumpenboese KG Aufträge zur Lieferung von Brunnenausbaumaterialien. Dies betraf hauptsächlich pumpenboese stahl Nordhausen für die Fertigung sowie pumpenboese Burgwedel für die Koordinierung (Schaffung eines eigenständigen Bereiches Projektmanagement), aber auch den Betrieb pumpenboese kunststoffe Luckau. Die aus diesen Aufträgen resultierenden, überdurchschnittlich hohen Anforderungen bezüglich Qualitätsmanagement wurden zum Maßstab der täglichen Arbeit. Die hauptsächlichen Bauabschnitte der Phase II sollen im weiteren näher erläutert werden. 2. Brunnenfeld Das erschlossene Brunnenfeld liegt etwa 700 km südlich von Tripolis in Westlibyen mit einer Ausdehnung von ca. 200 x 200 km. Nach Endausbau wird aus rund 500 Brunnen die tägliche Fördermenge von max. 2 Mio Kubikmeter/Tag entnommen. Das gesamte Vorhaben ist für eine Lebensdauer von 50 Jahren ausgelegt. Das Wasser ist fossilen Ursprungs; die Lagerstätten bildeten sich vor ca. 12.000 bis 15.000 Jahren, als in der damals grünen Sahara niedergehende Regenfälle sich in Becken sammelten und in den in 300 bis 500 m Tiefe anzutreffenden nubischen Sandstein eindrangen. Dieser Sandstein bildet den Aquifer mit einer die notwendigen Entnahmemengen garantierenden Permeabilität. Die Brunnen sind in der Regel bis 300 m Tiefe ausgebaut. 2.1 Filterrohrtour Die nicht standfesten Brunnen werden verfiltert; zum Einsatz kommen Wickeldrahtfilter aus austenitischem Edelstahl, die bei pumpenboese stahl Nordhausen hergestellt werden (Bild 1). Gemäß den Vorgaben des libyschen Auftraggebers berechnete und konstruierte pumpenboese die Filter für einen Kollapsdruck von rd. 57 bar und eine zulässige Längslast von 15.500 kg. Für den Nachweis der Kollapsfestigkeit und Längslast hat das Unternehmen entsprechende Prüfeinrichtungen: eine Druckkammer für Filter bis DN 300 für max. 100 bar sowie einen Zugprüfstand bis 75 t. In mehreren Tests in der Druckkammer wurde am 6 m-Filter die Kollapsfestigkeit nachgewiesen und so die eigene Berechnungsmethodik bestätigt. Für einen solchen Kollapstest wird der Filter, wie für den tatsächlichen Einsatz (also beiderseits mit Verbindern Buttress Gewinde), produziert. Ein aufgeklebter Gummimantel blockiert die Filter. Der Prüfling wird senkrecht in die 6 m-Kammer eingebracht und an den Verbindern zur Druckkammer hin abgedichtet. Der Ringraum zwischen Kammerwand und "dichtem" Filter wird mit Druck beaufschlagt. Die gewählte Kammerkonstruktion läßt die Kontrolle des Filterinnenraums während des Druckversuchs zu. Eine im Filter hängende Lampe gestattet eine visuelle Kontrolle; ein speziell konzipiertes Meßgerät, welches während der Tests im Filter auf- und abbewegt wird, zeigt Verformungen in Abhängigkeit vom Außendruck. Wie bereits angemerkt, konnte bei diesen Tests überzeugend nachgewiesen werden, daß die in Anlehnung an TIMOSHENKO gewählte Formel zur Berechnung der Kollapsfestigkeit richtig ist und die darauf basierende Auslegung des Filters den Praxisanforderungen gerecht wird. Zugtests mit den Filtern bis zum Bruch zeigten, daß das relativ einfache Berechnungsverfahren zur Auslegung von Durchmessern und Anzahl der Längsdrähte den Praxisbedingungen entspricht. Erwartungsgemäß trat der Bruch im Bereich der Schweißnaht zwischen Längsdrähten und Anschlußring auf. Für den Einbau dieses Filter/Vollrohrstranges entwickelte pumpenboese stahl Nordhausen in enger Abstimmung mit dem Kunden die erforderlichen Werkzeuge, u.a. auch einen lösbaren Packer. 2.2 Pumpen/Steigrohre Es werden Pumpen mit einer Fördermenge von ca. 50 l/sec eingesetzt, der Leistungsbedarf liegt bei rund 250 kW. Selbstverständlich ist die Verwendung eines Temperaturfühlers im Motor sowie Trockenlaufschutz mittels Drucksensoren. Die Flanschensteigrohre konstruierte pumpenboese stahl Nordhausen auf der Basis einer vorliegenden technischen Spezifikation des Auftraggebers. Die Steigrohre haben die Abmessung 8" (219 mm), sind 6 m lang und bestehen aus Duplex-Edelstahl. Duplexstahl ist ein für die chemische und Offshoreindustrie entwickelter Edelstahl, der durch seine annähernd gleichgroßen Austenit- und Ferritanteile in der Mikrostruktur (Duplexgefüge) folgende charakteristische Eigenschaften aufweist:
Duplex Stahl 1.4462 ist mit den meisten der für rostbeständige Stähle üblichen Schweißverfahren gut schweißbar. Der Steigrohrflansch ist ein Vorschweißflansch, basierend auf der DIN 2635 PN 40, der gemäß den Forderungen nach Kabelaussparungen und unter Beachtung des Innendurchmessers der Futterrohrtour modifiziert wurde. Gemäß den vorgegebenen Maximalwerten zum Innendruck, zur Gesamtlast einschließlich der Wassersäule sowie zum Anlaufmoment der Pumpe wurde der Flansch zunächst standardmäßig nach DIN 2505 berechnet. Diese Standardberechnung berücksichtigt die Kabelaussparungen und die dadurch vorhandenen Verschwächungen nicht; eine weitere differenzierte Berechnung mußte erfolgen. Ökonomisch betrachtet ist es heutzutage unabdingbar, einen Flansch so zu optimieren, daß einerseits die technischen Vorgaben erreicht und andererseits die Kosten minimiert werden. Mit einem dreidimensionalen Finite-Elemente-Modell Typ COSAR konnte die spezielle Geometrie des Flansches (4 Kabelaussparungen, verändertes Lochbild) rechnerisch erfaßt werden. Bild 2 zeigt ein 45° (1/8)-Segment des Flansches in der 3-D-Berechnung. Im Bereich der Kabelaussparung liegen die Materialspannungen im mittleren Bereich; kritisch ist der Übergang vom konischen zum zylindrischen Bereich. Hier wurde der Flansch in seiner Auslegung optimiert. Für die Brunnen fertigte das Unternehmen nahezu 18.000 Stück Steigrohre auf einem speziell dafür angeschafften Schweißautomaten. Längs- und Rundnähte wurden einer 100%igen Röntgenprüfung unterzogen. Die erforderlichen Brunnenköpfe und Verbindungselemente bestehen ebenfalls aus Duplexstahl. Der Einbau der ersten Steigrohrtouren begleitete pumpenboese stahl Nordhausen mit seinen Fachleuten vor Ort (Bilder 3 und 4). 2.3 Brunnenstube Den oberen Anschluß des Brunnens bildete der Brunnenkopf, der für eine Last von 25 t auszulegen war. Die weiterführenden obertätigen Leitungen bestehen aus duktilem Guß mit Zementauskleidung. Das System enthält die üblichen Armaturen für Durchflußmengenmessung, Probeentnahme, Druckentlastung/Ausblaseleitung sowie einen Sandfang und ist dann eingebunden in das erdverlegte Einspeisenetz. Jeder Brunnen hat seine eigene Trafostation. Nach Abschluß aller Arbeiten werden von jedem Brunnen eine Reihe von Daten drahtlos an die Zentrale übermittelt. 3. Leitungssystem Das erdverlegte Leitungssystem ist ausgelegt in den Nennweiten DN 300 bis DN 600 in duktilem Guß mit Zementauskleidung und PE-Außenschutz, oberhalb DN 1000 bis DN 4000 in Beton. Die Betonrohre wurden bzw. werden in zwei speziellen Fertigungsbetrieben in Brega und Sarir hergestellt. Es ist bekannt, daß folgende Rohrmengen und -abmessungen verbaut werden:
Das Fertigungsverfahren für diese Betondruckrohre soll an einem Rohr DN 4000 kurz dargestellt werden: 1. Schritt: 4. Wasse für alle Das Grundanliegen der GMMR-Projekte -Wasserversorgung für jedermann - möge an einem folgenden Detail verdeutlicht werden: |
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